Unhöflichkeit im Unternehmen

Unhöflichkeit im Unternehmen und von Vorgesetzten an sich ist ja kein ansteckender Virus, für den man nichts kann. Ich kann mich jeden Tag und in jeder Situation neu dafür oder dagegen entscheiden, höflich zu sein. Gewiss prägt ein gewisser Habitus, der durch die Kommunikation im System Unternehmen offensichtlich wird.

Um aber eine „Führungskraft“ mal aus dem System herauszulösen und für sich isoliert zu betrachten: Was macht denn der oder die Vorgesetzte da? Gelebte Unhöflichkeit gegenüber Mitarbeitern – ganz salopp formuliert – ist ein „Treten“ nach unten. Ich trete den anderen Menschen auf den Kopf, damit sie kleiner werden. Werden Mitarbeiter kleiner, werde ich größer. Dann spare ich mir eigene Größe.

Führungskräfte mit einem „Zwerghahnkomplex“ zeigen sehr gerne dieses Verhalten. Sie treten und drücken so sehr auf die nachfolgende Hierarchieebene und auf einzelne Menschen, damit diese „schrumpfen“. Sie möchten gerne „Bewunderungszwerge“ um sich herum versammeln, die dem großen Meister huldigen.

Dieses Muster „vererbt“ sich sozusagen weiter, denn auch die nachgeordneten Führungskräfte (geschrumpft) müssen diesen Abstand nach unten hin wieder herstellen – und versammeln ebenfalls Zwerge um sich herum. Somit entsteht an sich eine Abwärtsspirale der Unhöflichkeit, des „Von-der-Seite-dumm-Anmachens“, des „Sie-können-ja-gar nichts“. Diese Unhöflichkeit ist an sich nur der Sichtbare Teil eines Systems, in dem unsichere und nicht-souveräne Führungskräfte das Sagen haben. Die Quittung kommt bestimmt.

Ob ich mich nun zu einem Bewunderungszwerg machen lasse oder auch nicht (role-making und role-taking), das hängt von meiner Kraft, Stabilität und Überzeugung ab, wie ich mit Menschen umgehe. Sicherlich auch eine Frage der guten Erziehung und des Elternhauses.

An sich disqualifizieren sich solche Leute für Führungsaufgaben. Eine große Baustelle und gefundenes Fressen für Coaches – wenn denn nicht da eine gewisse Beratungsresistenz den Riegel davorschiebt.

Viel Erfolg und Gesundheit, JME

Zirkuläre Zusammenhänge – Huhn und Ei. Indianer und Trapper.

Die Henne und das Ei. Heute mal wieder ein typisches Beispiel für zirkuläre Zusammenhänge erlebt – im Fitnessstudio. Samstags hat mein Fitnessstudio komischerweise die kürzeste Öffnungszeit. Und da ist dann auch kaum einer.

Ich war heute alleine auf der Trainings-Fläche. Fragt man an der Theke nach, warum denn samstags so früh geschlossen wird, heißt es: „Weil samstags so wenig los ist.“ Fragst Du Deine Bekannten unter der Woche, warum sie denn nicht samstags trainieren, lautet die Antwort: „Weil samstags so früh geschlossen wird.“ Hmmmmm. Ein typisches Beispiel für einen zirkulären Zusammenhang.

Wie kann man einen solchen zirkulären Kreis durchbrechen? Spannende Frage. Als Coach und Organisationsberater habe ich mit solchen Phänomenen ständig zu tun.

Weiteres und schönes Beispiel für zirkuläre Zusammenhänge: Der Indianer beobachtet den Trapper dabei , wie er Holz sammelt. Der Trapper fragt den Indianer, wie kalt der Winter wird. „Kalt“. Darauf hin sammelt der Trapper immer mehr Holz. Jetzt fragt der Trapper wieder. Antwort: „Sehr kalt.“ Der Trapper sammelt noch viel mehr. Frage: „Woher weißt Du eigentlich, lieber Indianer, dass der Winter sooo kalt wird?“. Der Indianer: „Trapper sammelt viel Holz!“

Grüße! Bleibt erfolgreich und gesund!

JME

Foto: (c) oldskoolman.de

Kein Chef, kein Eis – wie bitte?

Eisbecher

(c) oldskoolman.de

So langsam kommen die ersten Sonnenstrahlen wieder raus. Es wird wärmer. Die Temperatur steigt und damit auch bei vielen Menschen die Lust auf etwas Süßes und Kaltes. Eis ist angesagt. Ein befreundeter Eisdielenbesitzer zeigte mir erst kürzlich seine neuesten Eiskreationen – einzigartig in der Region und wirklich sehr lecker. Da stehen sonntags lange Schlangen am „Fenster“.

Ich war nicht nur zum Schlemmen da, sondern ich habe mir die Prozesse im Fensterverkauf angeschaut und für ihn ein Konzept entwickelt, wie er die – vom Gesetzgeber vorgeschriebene – „Kassenführung am Fenster“ so beschleunigen und vereinfachen kann, dass er den Preis halten kann. „Hier gehen pro Tag mehrere hundert Kilo Eis über die Ladentheke. Wir produzieren teilweise Tag und Nacht.“ Eine große Herausforderung für das gesamte Team.

Da schaut er mich stolz an und sagt: „Ich habe alle Rezepte im Kopf….“ Ich: „Eben. DU hast alles im Kopf.“

Als Führungsberater denke ich immer einen Schritt weiter. Der engagierte junge Mann ist topfit. Der Laden boomt. Dennoch gibt es Situationen im Leben, in denen ein Chef durch Krankheit, Unfall oder auch andere unvorhersehbare Ereignisse für eine gewisse Zeit oder – im schlimmsten Fall – für immer ausfällt. Und daher ist die Eisdiele ein sehr greifbares und einfaches Beispiel dafür, worum sich Unternehmer rechtzeitig Gedanken machen müssen.

Auf die Eisdiele bezogen, wenn ein strahlender Sonntag ist und rund 300 Leute vorm Laden stehen:

  • Wenn der Chef für zwei Wochen ins Krankenhaus muss, wer übernimmt dann die Führung?
  • Wer kennt überhaupt die Rezepte für über 100 Eissorten? Wer kann diese in vergleichbarer Qualität herstellen?
  • Wer darf was entscheiden, ohne Rücksprache im Krankenhaus zu halten (vor allem dann, wenn der Arzt absolute Ruhe verordnet hat)?
  • Wer kommuniziert wie die Situation gegenüber den Kunden, die spätestens nach drei Tagen fragen?
  • Wer steuert den Personaleinsatz?
  • Wer hat Zugriff auf die Abrechnungssoftware?
  • Wer kümmert sich um die Lieferanten?
  • Wer darf Rechnungen und Abnahmebelege unterschreiben?
  • die Liste darf gerne weitergedacht werden.

Schauen Sie mal da: Es geht „nur“ um eine Eisdiele. Was passiert in Ihrem Unternehmen in einem vergleichbaren Fall? Hoffen wir, dass der Worst Case niemals eintritt. Kümmern Sie sich aber in guten Zeiten darum, dass es im Fall der Fälle trotz allem weitergehen kann. Nehmen Sie in diesen Prozess bitte alle Beteiligten mit ins Boot.

Gute Führungskräfte machen ihre Mitarbeiter so fit, dass der Laden eine gewisse Zeit auch ohne sie laufen kann. Und zwar so, dass der Kunde davon nichts mitbekommt. Wie Sie das am besten erreichen? In dem Sie den Worst Case ganz gezielt und gesteuert „passieren“ lassen – und ganz offen und deutlich mit dem Team die entdeckten Lücken ansprechen, beurteilen und daraus Lösungen für die Zukunft entwickeln. Ihr Team wird so handlungsfähig, dass es dadurch auch im normalen Tagesgeschäft ganz gut auf Sie verzichten könnte.

Sie werden sehen: Als Chef können Sie wieder öfter in Ruhe Eis essen gehen!

Viel Erfolg und Gesundheit.

JME

Teamführung in der Praxis – Planung bietet Freiräume.

Beispiel Planungsmatrix

Beispiel für eine Teamplanung

Je einfacher, desto besser. Ja. Das stimmt. Aber ist die Zeit für eine grobe Planung wirklich überflüssig? Ein ganz klares Nein. Von der Hand in den Mund zu arbeiten, das bedeutet Chaos und hat mit Flexibilität nichts zu tun. Mitarbeiter stehen rum und müssen fragen, was sie als nächstes tun sollen. Ein bisschen zu flexibel, wie ich meine.

Hier mal ein Beispiel, wo ein Teamleiter der Baubranche (Türen und Fenster) in unserer gemeinsamen Zusammenarbeit ein Hilfsmittel für die Praxis erarbeitet hat. Das kennen Sie bereits? Prima! Dann haben Ihre Teamleiter dieses Problem nicht. Aber er hatte einfach keinen Überblick, wie er den Tag auf der Baustelle strukturieren und koordinieren kann. Zu viele Leerlaufzeiten waren das Thema. Zu wenig Übersicht und Zeit, um sich mal einen Überblick über die Arbeitsergebnisse des Teams – rechtzeitig – zu verschaffen (siehe Führungsprozess: Kontrolle).

Das Thema war auch, an welcher Stelle Pausen möglich sind (hier der worst case: ein 10 Stunden Tag, also müssen Pausen gemäß dem Arbeitszeitgesetz auch unbedingt mit eingeplant werden. Auch der Wechsel der Tätigkeiten im Sinne einer körperlichen Entlastung müssen geplant werden).

Auch in der Planungshilfe drin: Zeiten für Sauberkeit und Ordnung am Arbeitsplatz. Verminderung von Such- und Wegezeiten (5A oder 5S aus der Industrie). Und: Sehr wichtig, dass Zeiten für die Koordinierung und Absprachen mit eingeplant werden. Das erspart „Nachsitzen“. Als wir die Planungs-Matrix erarbeitet haben, bekam er leuchtende Augen. Das hätte er zwar schon so im Kopf, aber dann doch nicht so klar. Endlich hätte er etwas „Greifbares“.

Natürlich ist die Planungshilfe nur ein grober Ansatz und er musste das für sich anpassen. Es war ja auch nur als Ansatz für seine zukünftige Teamführung und Planung gedacht. Er hat es dann mit Leben gefüllt.

Sein Feedback: „Damit kann ich wirklich was im täglichen Leben anfangen. Man merkt, dass Du viele Jahre in der Praxis warst und die Probleme vor Ort kennst.“ Einige Wochen später: „Wir kommen viel besser klar. Wir schaffen unsere Aufträge besser und haben trotzdem Pausen. Mein Team ist dadurch viel motivierter, weil wir Freiräume für Unvorhergesehenes haben.“

Ja. Und deswegen macht mir das so viel Freude, meine Erfahrungen weiter zu geben. Hohe Schule? Nein. Das sind Basics, die leider zu oft fehlen – und das kostet richtig Geld.

Viel Erfolg und Gesundheit.

JME

Marketing beginnt auf der Autobahn

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(c) oldskoolman.de

Wer sich so in der Arbeit fühlt, der sollte wirklich mal über eine Veränderung nachdenken – wollte ich zuerst schreiben.

Dann habe ich über meine langjährigen Autobahnfahrten (50.000 Km) nachgedacht. Und was kam mir bei diesem Bild in den Kopf? Die Vertreter-Autos auf der linken Spur. Immer Blinker an und Lichthupe. „Ich bin wichtig, mach Platz da. Und bist Du nicht willig, gebrauche ich meinen Wagen als Waffe.“

Schweißperlen auf der Stirn. Bei 190 Km/h bin ich kein stehendes Hindernis. Obwohl ich seit meiner Karriere als Papa deutlich achtsamer und langsamer als früher fahre. Besonders dann, wenn meine Kinder dabei sind. Dann sind 130 Km/h auch vollkommen ok.

Am Wochenende tummeln sich da die Kleinlaster Richtung Polen, Sprinter (die Schlimmsten) und LKW´s, die sich über 5 Kilometer als „Kampf der Titanen“ wichtig machen – auf zwei Spuren. Jeder kennt das, jeder weiß das.

Also: Zum Überholen bleibt nur wirklich die linke Spur. Danach bin ich ein braver Rechtsfahrer.

Aber: Dann kommen die Wichtigsten aller Wichtigen: Audi A 8, BMW 7er, VW Passat (das Vertreterauto schlechthin) und rennen Dir in den Nacken. Die Anzüge in den Autos fliegen mit 230 Km/h über die Straße. Wenn die wüssten, wie viel PS mein Volvo V70 hat… grrrrr.

Spaß beiseite: Teilweise ist das echt Nötigung. Und gefährlich. Wenn ich in die Ecke knalle, dann sitzen da auch zwei Kinder drin.

Jetzt zum Punkt: Marketing und eine gute Außenwerbung beginnen nicht erst bei dem schönen Flyer, dem einheitlichen Farbschema in Anzeigen und Broschüren. Sondern Marketing bedeutet auch, wie sich Mitarbeiter in der Öffentlichkeit zeigen! Besonders dann, wenn ihre Firmen-Herkunft eindeutig bestimmbar ist! Spätestens dann, wenn der Drängler an mir vorbeigeschossen ist – teilweise mit eindeutigen Gesten – sehe ich das Logo und den Namen auf der Heckklappe. „Corporate Branding“ im wahrsten Sinne des Wortes.

Sicherlich gilt das nur für vereinzelte Fälle. Dennoch: Kaufe ich bei einer Firma Fensterläden ein, deren Mitarbeiter meine Kinder, mich und viele andere Menschen mit Absicht gefährden?

Sie finden das undifferenziert und emotional? Ja. Eben drum. Denn keiner sagt: „Heute morgen hat mich Herr Müller bedrängt und mir den Vogel gezeigt.“ Sondern: „So ein Spinner von der Fensterbau AG hat mich heute morgen fast in den Graben geschossen.“

Das Verhalten Ihrer Mitarbeiter symbolisiert Ihr Unternehmen. Saarländer sagen: „Wie de Herr, so es Gschärr.“ Übersetzung: Wie der Herr, so das Geschirr. Das Verhalten einzelner Mitarbeiter wird Ihrem gesamten Unternehmen zugeschrieben. Ein gutes Marketing findet durch rücksichtsvolles Verhalten auf der Autobahn statt, wenn der Außendienstmitarbeiter einer älteren Dame im Schnell-Restaurant den Vortritt lässt, wenn … Ein Brainstorming ist gerne erlaubt.

Kurzum: Als disziplinarischer Chef in der „Firma Bundeswehr“ hat mich das Verhalten meiner Soldaten außerhalb des Kasernenzauns sehr interessiert. Auch da: Nicht der Müller hat sich auf dem Bahnsteig unmöglich benommen, sondern ein Bundeswehrsoldat. „Mal wieder typisch Bundi!“ hieß es dann.

„Ja, ja. So wie die rasen, so bauen die bestimmt auch die Fenster ein. Schnell, schnell.“ So oder so ähnlich könnte das im Ausgangsfall lauten.

Daher ist das Chefsache, potentielle Kunden und den Ruf eines Unternehmens zu schützen.

Viel Erfolg und Gesundheit, JME

Motivation und Konflikte – Brandstifter oder Feuerwehrmann?

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(c) oldskoolmann.de

Heute auf der Rückfahrt vom Fitnessstudio eine schöne Stelle in einem Lied gehört:

„Ein Feuer brennt nur dann weiter, wenn es genährt wird.“

Das kann man auf positive wie negative Dinge übertragen. Lob und Anerkennung sind Benzin für das Engagement und die Motivation von Menschen.
Streitigkeiten und Konflikte haben nur dann Bestand, wenn immer und immer wieder eins obendrauf gesetzt wird. Beachten wir also mehr gute Taten von anderen – und – ignorieren auch mal einen emotionalen Schnellschuss von Kollegen, vom Partner oder von Mitarbeitern.

Dann entfachen wir das Feuer für „gute Dinge“ und lassen „hitzige Diskussionen“ einfach mal verglühen. Einfach mal sagen: „Sie beeindrucken mich. Das haben Sie wirklich gut gemacht.“ Oder: „Ihre Vorschläge sind mir immer sehr wichtig, weil ich Sie als sehr gewissenhaften und kompetenten Mitarbeiter kenne und schätze. Ich möchte deswegen ganz in Ruhe für mich nochmal darüber nachdenken, ob wir hier eine gemeinsame Lösung finden können.“

Im richtigen Moment ein Feuer nähren oder auch mal löschen können, das ist ein Balanceakt zwischen „Brandstifter“ und „Feuerwehrmann“.

Viel Erfolg und Gesundheit, JME

Führung – Mitarbeiterbeteiligung ohne Ende?

Mitarbeiterbeteiligung und ein kooperativer Führungsstil sind gut und sinnvoll. Wenn Mitarbeiter von etwas überzeugt sind, dann sehen sie einen Sinn in ihrem täglichen Engagement im Sinne der gemeinsamen Zielerreichung. Das wäre aber nur die halbe Wahrheit.

Es gibt Situationen, in denen sich ein Vorgesetzter auf keine Diskussionen einlassen sollte. Vor allem dann, wenn in der Entscheidungsfindung alle Ebenen mit einbezogen wurden und es nun an die Umsetzung der vereinbarten Schritte geht. Wenn dann Bedenkenträger unbegründeten „Sand ins Getriebe“ streuen oder den Nichtschwimmern mal wieder die Badehose nicht passt, dann ist konsequente Führung mit deutlichen Ansagen und konsequentem Handeln gefragt. Auch gegen mögliche Widerstände.

Und: Mitarbeiter erwarten von einer Führungskraft, dass sie auch wirklich führt. Dazu gehört es auch, dass permanenten „Quertreibern“ klare Ansagen gemacht werden. Denn das Team leidet unter solchen Kolleginnen und Kollegen. Alles dreht sich nur noch um den Konflikt und nicht wirklich um die eigentliche Aufgabe. Ein Flow kann sich nicht einstelllen.

Die hohe Kunst besteht darin, den richtigen Zeitpunkt für den Wechsel von Beteiligung zu zielorientierter Umsetzung zu finden – und auch durchzusetzen. Das vermitteln keine Lehrbücher. Führungskräfte sind hier nicht nur als Experten und Unternehmer gefragt, sondern auch als ganz persönlicher Mensch mit einem gut ausgeprägten Fingerspitzengefühl und Weitsicht.

Viel Erfolg und Gesundheit, JME