Kein Chef, kein Eis – wie bitte?

Eisbecher

(c) oldskoolman.de

So langsam kommen die ersten Sonnenstrahlen wieder raus. Es wird wärmer. Die Temperatur steigt und damit auch bei vielen Menschen die Lust auf etwas Süßes und Kaltes. Eis ist angesagt. Ein befreundeter Eisdielenbesitzer zeigte mir erst kürzlich seine neuesten Eiskreationen – einzigartig in der Region und wirklich sehr lecker. Da stehen sonntags lange Schlangen am „Fenster“.

Ich war nicht nur zum Schlemmen da, sondern ich habe mir die Prozesse im Fensterverkauf angeschaut und für ihn ein Konzept entwickelt, wie er die – vom Gesetzgeber vorgeschriebene – „Kassenführung am Fenster“ so beschleunigen und vereinfachen kann, dass er den Preis halten kann. „Hier gehen pro Tag mehrere hundert Kilo Eis über die Ladentheke. Wir produzieren teilweise Tag und Nacht.“ Eine große Herausforderung für das gesamte Team.

Da schaut er mich stolz an und sagt: „Ich habe alle Rezepte im Kopf….“ Ich: „Eben. DU hast alles im Kopf.“

Als Führungsberater denke ich immer einen Schritt weiter. Der engagierte junge Mann ist topfit. Der Laden boomt. Dennoch gibt es Situationen im Leben, in denen ein Chef durch Krankheit, Unfall oder auch andere unvorhersehbare Ereignisse für eine gewisse Zeit oder – im schlimmsten Fall – für immer ausfällt. Und daher ist die Eisdiele ein sehr greifbares und einfaches Beispiel dafür, worum sich Unternehmer rechtzeitig Gedanken machen müssen.

Auf die Eisdiele bezogen, wenn ein strahlender Sonntag ist und rund 300 Leute vorm Laden stehen:

  • Wenn der Chef für zwei Wochen ins Krankenhaus muss, wer übernimmt dann die Führung?
  • Wer kennt überhaupt die Rezepte für über 100 Eissorten? Wer kann diese in vergleichbarer Qualität herstellen?
  • Wer darf was entscheiden, ohne Rücksprache im Krankenhaus zu halten (vor allem dann, wenn der Arzt absolute Ruhe verordnet hat)?
  • Wer kommuniziert wie die Situation gegenüber den Kunden, die spätestens nach drei Tagen fragen?
  • Wer steuert den Personaleinsatz?
  • Wer hat Zugriff auf die Abrechnungssoftware?
  • Wer kümmert sich um die Lieferanten?
  • Wer darf Rechnungen und Abnahmebelege unterschreiben?
  • die Liste darf gerne weitergedacht werden.

Schauen Sie mal da: Es geht „nur“ um eine Eisdiele. Was passiert in Ihrem Unternehmen in einem vergleichbaren Fall? Hoffen wir, dass der Worst Case niemals eintritt. Kümmern Sie sich aber in guten Zeiten darum, dass es im Fall der Fälle trotz allem weitergehen kann. Nehmen Sie in diesen Prozess bitte alle Beteiligten mit ins Boot.

Gute Führungskräfte machen ihre Mitarbeiter so fit, dass der Laden eine gewisse Zeit auch ohne sie laufen kann. Und zwar so, dass der Kunde davon nichts mitbekommt. Wie Sie das am besten erreichen? In dem Sie den Worst Case ganz gezielt und gesteuert „passieren“ lassen – und ganz offen und deutlich mit dem Team die entdeckten Lücken ansprechen, beurteilen und daraus Lösungen für die Zukunft entwickeln. Ihr Team wird so handlungsfähig, dass es dadurch auch im normalen Tagesgeschäft ganz gut auf Sie verzichten könnte.

Sie werden sehen: Als Chef können Sie wieder öfter in Ruhe Eis essen gehen!

Viel Erfolg und Gesundheit.

JME